Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Page: Eigene Berichte

Gesundheitsmarkt: 60 Milliarden

Ent­spre­chen emp­fiehlt auch der recht ein­fluss­rei­che Bun­des­ver­band Deut­scher Pri­vat­kli­ni­ken e.V. (BDPK), unter­stützt vom Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) bereits 2014 den Kom­mu­nen, ihre Kran­ken­häu­ser ver­stärkt zu pri­va­ti­sie­ren.

2013-11-20_0017Nach Anga­ben des DIHK hat der Kran­ken­haus­sek­tor mit einer Brut­to­wert­schöp­fung von über 60 Mrd. Euro und über 1,5 Mio. Erwerbs­tä­ti­gen eine enor­me wirt­schaft­li­che Bedeu­tung. Die­se Poten­tia­le – ins­be­son­de­re die der Kran­ken­häu­ser in pri­va­ter Trä­ger­schaft, müss­ten genutzt wer­den. Dabei wür­den kran­ken­kas­sen­fi­nan­zier­te Betriebs­kos­ten und steu­er­fi­nan­zier­te Inves­ti­tio­nen einen sinn­vol­le betriebs­wirt­schaft­li­che Pla­nung hin­dern, vor allem durch die star­ke Abhän­gig­keit „kom­mu­nal­po­li­ti­scher Ein­flüs­se“. Unter Betei­li­gung pri­va­ter Anbie­ter, müs­se das Wett­be­werbs­recht mehr Beach­tung fin­den.

Ent­spre­chend hat in den letz­ten Jahr­zehn­ten in Deutsch­land die Ver­brei­tung pri­va­ter Kli­nik­be­trei­ber stark zuge­nom­men. Ihre Akqui­se fokus­siert sich beson­ders auf Kran­ken­haus­ein­rich­tun­gen mit Ver­sor­gungs­auf­trag bzw. Plan­k­ran­ken­haus­sta­tus. Hin­ter­grund ist, dass nur auf die­se Wei­se eine Teil­nah­me an der Ver­sor­gung der GKV-Ver­si­cher­ten gewähr­leis­tet ist, die den Groß­teil der Bevöl­ke­rung stel­len und damit aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht wich­tig für die Erlös­si­che­rung sind. Mit der Akqui­se geht meis­tens auch eine soge­nann­te „mate­ri­el­le Pri­va­ti­sie­rung“ in beson­ders lukra­ti­ven Sek­to­ren ein­her.

Kommunale Träger mit dem Rücken an der Wand

Dem­ge­gen­über ste­hen die kom­mu­na­len Trä­ger meist finan­zi­ell mit dem Rücken an der Wand, da sie im Rah­men der Daseins­vor­sor­ge vor allem die Grund- und Regel­ver­sor­gung ihrer Bür­ger sicher zu stel­len hat. Hier aller­dings sind durch Bun­des­ge­set­ze finan­zi­el­le Mit­tel ent­zo­gen wor­den, was vor allem auf effek­ti­ve Lob­by­ar­beit pri­va­ter Kran­ken­haus­ket­ten zurück­zu­füh­ren ist. Bereits unter der Regie­rung Schröder/Fischer (rot/grün) wur­de es zur Selbst­ver­ständ­lich­keit, Lob­by­is­ten als Fach­per­so­nal für die Arbeits­ebe­ne in Minis­te­ri­en ein­zu­wer­ben, die dann die als fach­kom­pe­tent klas­si­fi­zier­ten Geset­zes­tex­te erar­bei­te­ten.

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Cor­ne­lia Rundt (SPD) – Seit 19. Febru­ar 2013 nie­der­säch­si­sche Minis­te­rin für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie, Gesund­heit und Migra­ti­on im Kabi­nett von Ste­phan Weil.

Die dar­über ein­ge­zo­ge­ne chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung beschrieb Nie­der­sach­sens Sozi­al­mimins­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD) mit den fol­gen­den Wor­ten:

Die Fol­gen erle­ben wir heu­te. Die Grund- und Regel­ver­sor­gung ist chro­nisch unter­fi­nan­ziert, wäh­rend Kran­ken­häu­ser, die sich auf elek­ti­ve (aus­ge­wähl­te) Leis­tungs­an­ge­bo­te beschrän­ken, ein gutes Aus­kom­men haben. Es ist eine ste­reo­ty­pe Erfah­rung unse­rer Regio­nal­ge­sprä­che: Das All­ge­mein­kran­ken­haus gerät wirt­schaft­lich auf Grund­eis, wäh­rend der Elek­tiv­an­bie­ter neben­an ein gutes Aus­kom­men hat.

Die spe­zia­li­sier­ten Ange­bo­te sind lukra­tiv. Sah­ne­häub­chen auf der Kran­ken­haus­ent­gelt­tor­te. Beson­ders hef­ti­ge Kämp­fe sind zum Bei­spiel um die psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin ent­brannt. Mit Kla­gen, Gegen­kla­gen, Sofort­voll­zug und Kla­gen gegen den Sofort­voll­zug. Jeder will psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin anbie­ten.

Ich wünsch­te mir ein so gro­ßes Inter­es­se der Kran­ken­haus­trä­ger auch ein­mal bei der Geburts­hil­fe. Die aber ist Teil der Grund­ver­sor­gung und ver­bleibt als Zuschuss­ge­schäft bei den kom­mu­na­len und den kirch­li­chen Trä­gern“.


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