Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Zentralklinik: Irritierender Kompromisvorschlag

Aurich (oz/okj) – Soge­nann­te Gesund­heits­zen­tren könn­ten eine Alter­na­ti­ve zu den bestehen­den Kran­ken­häu­ser in Nor­den und Aurich sein. Mit die­sem Vor­schlag will der SPD-Frak­ti­ons­chef im Auricher Kreis­tag, Jochen Beek­huis, den Geg­nern der Zen­tral­kli­nik einen Kom­pro­miss vor­schla­gen. Damit kön­ne ein Bür­ger­be­geh­ren unnö­tig wer­den, erklär­te Beek­huis. Dies berich­tet die in Leer erschei­nen­de Ost­frie­sen-Zei­tung in ihrer Aus­ga­be vom Diens­tag (20.10.). Beek­huis und der SPD.Bundestagsabgeordnete Johann Saat­hoff hat­ten sich um ein Gespräch mit Ver­tre­tern des Akti­ons­bünd­nis am 17. Novem­ber bemüht.

Gesundheitsregion

Leit­fa­den Gesund­heits­re­gio­nen Nie­der­sach­sen. Zum down­load auf das Bild kli­cken

Bereits auf dem Regio­nal­ge­spräch in Aurich am 23. Juni des Jah­res hat­te der Staats­se­kre­tär des Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums in Han­no­ver, Jörg Röh­mann, auf die Pla­nun­gen mit „Gesund­heits­zen­tren“ ver­wie­sen. Die­se sind Teil des Pro­jek­tes „Gesund­heits­re­gio­nen Nie­der­sach­sen“ und wird mit Lan­des­mit­teln geför­dert. Ziel des Pro­jek­tes ist es, kas­sen­ärzt­li­che Arzt­pra­xen und ande­re Anbie­ter von Gesund­heits­dienst­leis­tun­gen zu einer Koope­ra­ti­on und Ver­net­zung aller Akteu­re des Gesund­heits­we­sens vor Ort zu bewe­gen. Den Kom­mu­nen kommt dabei ledig­lich eine koor­di­nie­ren­de Funk­ti­on zu.

Auricher Landrat sieht ”Gesundheitsregion” skeptisch

beekhuis

Beek­huis: Kri­tik vom Land­rat ver­ges­sen?

Bereits Anfang des Jah­res hat­te Land­rat Harm-Uwe Weber (SPD) in den Ost­frie­si­sche Nach­rich­ten” (30.01) das von der Lan­des­re­gie­rung auf­ge­leg­te Pro­gramm ”Gesund­heits­re­gi­on“ skep­tisch beur­teilt. Sei­ner Auf­fas­sung nach sei­en die För­der­sum­men viel zu gering. Für alle Städ­te in Nie­der­sach­sen ste­hen ledig­lich 80 Mio € zur Ver­fü­gung, davon die Hälf­te aus Bun­des­mit­teln.

Inzwi­schen haben Mit­glie­der des Akti­ons­bünd­nis­ses den „Kom­pro­miss-Vor­schlag“ des SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den als „irri­tie­rend“ bewer­tet. Zumin­dest sei es höchst selt­sam, das Beek­huis einen Vor­schlag unter­brei­ten wol­le, den der Land­rat Anfang des Jah­res selbst kri­tisch beur­teilt habe.

Nach Ein­schät­zung des Akti­ons­bünd­nis­ses, wer­de mit dem Pro­gramm Gesund­heits­heits­re­gi­on ledig­lich der Ver­such unter­nom­men, die Kos­ten für das Gesund­heits­we­sen auf klei­ne Städ­te und Gemein­den abzu­wäl­zen. Das Land fokus­sie­re sich statt des­sen auf Groß­kli­ni­ken, die mit lukra­ti­ven Pati­en­ten mög­li­cher­wei­se auch Gewin­ne abwer­fen könn­ten.

Krankenhausstruktur-Gesetz ruiniert weiter kleinere Krankenhäuser in ländlicher Region

JWI G 4229

Emder Kli­ni­kum: Opfer fal­scher Poli­tik auf Bun­des­ebe­ne?

Die gene­rell chro­ni­sche Unter­fi­nan­zie­rung der all­ge­mei­nen Gesund­heits­für­sor­ge der Bevöl­ke­rung wer­de damit nicht geän­dert. Viel­mehr ste­he zu befürch­ten, dass durch das geplan­te Kran­ken­haus­struk­tur­ge­setz von Gesund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) die finan­zi­el­le Situa­ti­on der Kran­ken­häu­ser vor allem in länd­li­chen Regio­nen wei­ter unter öko­no­mi­schen Druck gerie­ten. Völ­lig irrig sei die Annah­me, dass es im Gesund­heits­sys­tem nicht genü­gend Geld gäbe. Es wer­de ledig­lich so gesteu­ert, dass vor allem klei­ne­re Kran­ken­häu­ser in kom­mu­na­ler Trä­ger­schaft struk­tu­rell in die Insol­venz gera­ten. Die­se Markt­be­rei­ni­gung sei erklär­tes Ziel der Poli­tik.

Von der Politik ignoriert?

Pomberg

For­der­te bereits 2012 gesamtost­frie­si­sche Zusam­men­ar­beit der Kran­ken­häu­ser. HSK-Geschäfts­füh­rer Ulrich Pom­berg (Emden)

Hilf­rei­cher wäre, sich an das zu erin­nern was der Geschäfts­füh­rer des Emder Kli­ni­kums Ulrich Pom­berg im Dezem­ber 2012 der Kom­mu­nal­po­li­tik ver­sucht habe „ins Stamm­buch zu schrei­ben“. Wie die Ost­frie­sen-Zei­tung am 19. Dezem­ber 2012 schrieb, rich­te­te Pom­berg und Emdens Finanzschef Horst Jahn­ke einen dring­li­chen Appell an die Poli­tik, in dem bei­de eine Zusam­men­ar­beit auf ost­frie­si­scher Ebe­ne favo­ri­sier­ten.

In einem Exklu­siv-Inter­view der Emder Zei­tung vom 14. Febru­ar 2015 erklär­ten Pom­berg und Jahn­ke, das Emder Kli­ni­kum habe wie­der­holt ver­sucht, durch Zusam­men­ar­beit die Situa­ti­on der Kran­ken­häu­ser zu ver­bes­sern. Beim Schei­tern die­ser Bemü­hun­gen hät­ten „Ego­is­men und Kirch­turm­po­li­tik“ eine gro­ße Rol­le gespielt. So sei die Emder Kin­der­kli­nik eine Zeit lang von Leer aus gelei­tet wor­den. Bis 2012 habe auch die radio­lo­gi­sche Ver­sor­gung in Leer orga­ni­siert wer­den kön­nen. Mit Aurich habe man über eine Zen­tralste­ri­li­sa­ti­on gespro­chen. Die­ses sei aller­dings nur von kur­zer Dau­er gewe­sen oder es ist nichts dar­aus gewor­den.


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