Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

”Zentralistischer Krankenhaus-Dirigismus?”

Hannover/Norden (okj) – 1,7 Mil­li­ar­den Euro För­der­mit­tel müss­ten für Kran­ken­häu­ser in Nie­der­sach­sen bereit­ge­stellt wer­den. Dies geht aus einer Lis­te der „ent­schei­dungs­rei­fen Kran­ken­haus­bau- bzw. Struk­tur­maß­nah­men“ des Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums vom 20. Okto­ber ver­gan­ge­nen 500-euro-scheineJah­res her­vor. Aus Haus­halts­mit­teln kann das Land die­se Sum­me jedoch nicht auf­brin­gen. Knapp 1,4 Mil­li­ar­den Euro feh­len. Auch des­halb wur­de 2015 kei­ne ein­zi­ge Kran­ken­haus­bau­maß­nah­me in das Inves­ti­ti­ons­pro­gramm auf­ge­nom­men.

Eine ”Lösung” die­ses Pro­blems sehen Poli­ti­ker dar­in, klei­ne Kran­ken­häu­ser ”Markt zu berei­ni­gen”, zu zen­tra­li­sie­ren, um auf die­se Wei­se per­spek­ti­visch mit weni­ger Ansprü­chen für Inves­ti­ti­ons­för­de­rung kon­fron­tiert zu wer­den.

Die Lis­te, die auf Anfra­ge der CDU-Frak­ti­on im Land­tag erstellt wur­de, ist aller­dings nicht voll­stän­dig, sagt der sozi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU im Land­tag, Dr. Max Mat­t­hie­sen aus Bar­sing­hau­sen. So feh­le bei­spiels­wei­se der zwei­te Bau­ab­schnitt des Kran­ken­hau­ses Witt­mund mit neu­en Pfle­ge­sta­tio­nen, die geplan­ten Bau­maß­nah­men bei der Aller-Weser-Kli­nik Ver­den, beim Hei­de­kreis-Kli­ni­kum oder der bereits voll durch­ge­plan­te Ersatz­neu­bau des St. Eli­sa­beth-Kran­ken­hau­ses Salz­git­ter-Bad.

Falsche Hoffnungen auf weiteres Geld aus Hannover

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Beten das Han­no­ver zahlt. Zen­tral­kli­nik-Chef Claus Epp­mann. (Foto – Sonn­tags­blatt)

Um die 1,4 Mil­li­ar­den Euro zu beschaf­fen, will Nie­der­sach­sen die Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te zu Kas­se bit­ten. Sie sol­len ein Son­der­ver­mö­gen bil­den, in das jähr­lich 32 Mil­lio­nen Euro ein­ge­zahlt wer­den. Am Ende will man damit Inves­ti­tio­nen in Höhe von 1,36 Mil­li­ar­den Euro ermög­li­chen. Aller­dings nur sol­che Pro­jek­te, deren Bau spä­tes­tens 2018 begon­nen wer­den.

Es geht also dar­um, den bereits auf­ge­lau­fe­nen Inves­ti­ti­ons­stau abzu­bau­en. Land­rat Harm-Uwe Weber hat­te sich offen­sicht­lich zu früh gefreut und geglaubt, aus die­sem För­der­topf wei­te­re Mit­tel für die geplan­te Zen­tral­kli­nik in Georgs­heil „anzap­fen“ zu kön­nen.

Auf Anfra­ge der in Aurich erschei­nen­den Ost­frie­si­schen Nach­rich­ten, teil­te Minis­ter­ums-Spre­cher Uwe Hil­de­brandt mit, das dar­aus vor­aus­sicht­lich nichts wird, da die Zen­tral­kli­nik nach der­zei­ti­gen Pla­nun­gen etwa 2022 ”ans Netz” gehen wür­de.

Kreistags-CDU als Wurmfortsatz der SPD?

appendixDies alles dürf­te auch den CDU-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den im Auricher Kreis­tag, Hil­ko Ger­des ner­vös machen. Nicht ganz zu unrecht befürch­tet der eif­ri­ge Ver­fech­ter einer Zen­tral­kli­nik, dass eine CDU-Regie­rung in Han­no­ver den berühm­ten Kas­sen­sturz zele­brie­ren wird und die För­der­zu­sa­gen der Sozi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD) an die Genos­sen in Aurich und Emden zur Maku­la­tur wer­den. Die Finan­zie­rung der neu­en Zen­tral­kli­nik wäre nicht gesi­chert, fürch­tet die CDU im Kreis­tag.

Des­halb hat­te sich Ger­des in einem Schrei­ben an den Auricher Land­rat und Emdens Ober­bür­ger­meis­ter gewen­det. Wie die in Leer erschei­nen­de Ost­frie­sen-Zei­tung in ihrer Aus­ga­be vom 24. Juni berich­te­te, gäbe es nach Ein­schät­zung von Ger­des bei Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten in Han­no­ver „erheb­li­che Zwei­fel“, ob der Haus­halt eine För­de­rung der geplan­ten Zen­tral­kli­nik über­haupt zulas­se.

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Ger­des dürf­te nicht ent­gan­gen sein, das im März des Jah­res der von der CDU im Land­tag ein­ge­brach­te Antrag auf eine Enquete­kom­mis­si­on abge­wie­sen wur­de. Die­se soll­te gemein­sam mit unab­hän­gi­gen Exper­ten zur Neu­aus­rich­tung der Kran­ken­haus­land­schaft in Nie­der­sach­sen bei­tra­gen. Ziel­set­zung soll­te eine bür­ger­na­he, huma­ne und leis­tungs­fä­hi­ge Kran­ken­haus­land­schaft in Unbenannt - 2Trä­ger­viel­falt sein“.

Der Lan­des­re­gie­rung warf Mat­t­hie­sen vor, in Nie­der­sach­sen einen „zen­tra­lis­ti­schen Kran­ken­haus-Diri­gis­mus“ durch­set­zen zu wol­len.

Unter dem Vor­wand der Qua­li­täts­si­che­rung wer­de eine gesetz­li­che Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge geschaf­fen, um wohn­ort­na­he klei­ne Kran­ken­häu­ser aus dem Kran­ken­haus­plan neh­men zu kön­nen.

Dass sich die Regie­rungs­frak­tio­nen dabei auf ein von der Bund-Län­der-AG zur Kran­ken­haus­re­form im Dezem­ber letz­ten Jah­res vor­ge­stell­tes Eck­punk­te­pa­pier beru­fen wür­den, sei ein dreis­ter Ver­such, die Vor­schlä­ge der AG poli­tisch zu instru­men­ta­li­sie­ren. „Zwar hat das Papier tat­säch­lich den Aspekt der Qua­li­täts­si­che­rung unter Zuhil­fe­nah­me der Kran­ken­haus­pla­nung zum Gegen­stand – damit ist aber nicht gemeint, dass man theo­re­ti­sche und unrea­lis­ti­sche Struk­tur­qua­li­täts­an­for­de­run­gen auf­stellt, um mög­lichst vie­le Kran­ken­häu­ser schlie­ßen zu kön­nen”, so Mat­t­hie­sen.


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