Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Privatisierungsdrohung verunsichert UEK-Mitarbeiter

Mit emotionaler Sprachnachricht verbreitet eine UEK-Mitarbeiterin massenhaft ihre Sorge um den Arbeitsplatz

Claus Epp­mann mit kla­rer Ansa­ge: Zen­tral­kli­nik wird gebaut. Not­falls kom­mu­na­le Kran­ken­häu­ser nach Bür­ger­ent­scheid an pri­vat ver­kau­fen und schlie­ßen las­sen.

Aurich/Emden/Georgsheil (okj) – Soll­ten sich die Bür­ger beim Bür­ger­ent­scheid am 11. Juni gegen die Schlie­ßung bestehen­der Kran­ken­häu­ser in Nor­den, Aurich und Emden ent­schei­den, wer­den die­se den­noch geschlos­sen und eine Zen­tral­kli­nik in Georgs­heil errich­tet. Dies erklär­te der Geschäfts­füh­rer des Vor­ha­ben­trä­gers Zen­tral­kli­nik, Claus Epp­mann ver­gan­ge­ne Woche (27.4.17). Da der Bür­ger­ent­scheid ledig­lich zwei Jah­re gilt, wer­de man nach Ablauf die­ser Frist die bestehen­den Kli­ni­ken an einen pri­va­ten Betrei­ber ver­kau­fen müs­sen. Die­ser wür­de die Kran­ken­häu­ser vom Markt neh­men und die geplan­te Zen­tral­kli­nik in Georgs­heil errich­ten. Ein sol­cher Ver­kauf müs­se nach Ein­schät­zung der Geschäfts­füh­rung nach Ablauf des Bür­ger­ent­scheids 2019 mög­lichst schnell über die Büh­ne gehen.

Vor die­sem Hin­ter­grund bestärkt die Geschäfts­füh­rung alle Mit­ar­bei­ter der UEK, sich gegen den Erhalt ihrer Kran­ken­häu­ser aus­zu­spre­chen. Andern­falls sei der Ver­kauf der Kran­ken­häu­ser an einen Pri­va­ten so gut wie unver­meid­bar sei. Dies wol­le zwar nie­mand, dürf­te aller­dings die wahr­schein­lichs­te Vari­an­te sein, beton­te Epp­mann. Epp­mann ver­wahr­te sich gleich­zei­tig gegen die Ein­schät­zung, dass sei­ne Dar­le­gun­gen eine „Droh­ku­lis­se“ wären.

Falschmeldungen über Fördermittel für Zentralklinik

Dies scheint vor allem bei Mit­ar­bei­tern der UEK anders inter­pre­tiert wor­den zu sein. Nach einer Betriebs­ver­samm­lung am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag (4.5.17) in der Turn­hal­le in Georgs­heil, ver­schick­te eine Auricher UEK Mit­ar­bei­te­rin eine „Ket­ten­brief Sprach­nach­richt“. In die­ser for­der­te sie die Men­schen auf, für die Schlie­ßung bestehen­der Kran­ken­häu­ser zu votie­ren.

Auf der Betriebs­ver­samm­lung, so berich­tet die Mit­ar­bei­te­rin, sei allen Anwe­sen­den „noch­mal ganz deut­lich gemacht wor­den” was pas­sie­ren wer­den, ”wenn wir am 11. Juni nicht gewin­nen“. Die Geschäfts­füh­rung wer­de ”auf dem Markt” nach einem pri­va­ten Anbie­ter  gucken, der ”gro­ße Kran­ken­haus­kon­zer­ne kauft“. Die­ser wer­de „wahr­schein­lich zuschla­gen“. Dies des­halb, weil För­der­gel­der in Höhe von 250 Mio. Euro von der Lan­des­re­gie­rung bewil­ligt sei­en. Die­se lägen in Han­no­ver bereit und könn­ten auch von einem Pri­vat­an­bie­ter in Anspruch genom­men wer­den. Die­ses habe der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Wiard Sie­bels (SPD) berich­tet.

Sozialministerium: Fördergeldzusagen frühestens 2018

In Krei­sen des Akti­ons­bünd­nis­ses Kli­ni­kerhalt wird bezwei­felt, das Sie­bels der­ar­ti­ges gesagt haben kann. Laut einer Ant­wort des Han­no­ve­ra­ner Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums auf die Klei­ne Anfra­ge der FDP-Frak­ti­on vom 28.4.2016 (Druck­sa­che 17/5665), gibt es der­zeit Beschluss, dem Vor­ha­ben För­der­gel­der zu bewil­li­gen. Es gäbe ledig­lich einen Fest­stel­lungs­be­scheid, vom 7.März und 20. April 2016, über „medi­zi­ni­sche Fach­rich­tun­gen und deren Kapa­zi­tä­ten mit ins­ge­samt 814 Bet­ten“. Eine För­der­zu­sa­ge gäbe es nicht. Die­se set­ze von der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Han­no­ver bau­fach­lich geprüf­te Pla­nungs­un­ter­la­gen vor­aus. Mit einer prüf­fä­hi­gen Unter­la­ge wer­de im Lau­fe des Jah­res 2018 gerech­net.

Ein­deu­tig falsch in die Nach­richt der Mit­ar­bei­te­rin, dass das Vor­ha­ben mit 250 Mio. Euro durch die Lan­des­re­gie­rung geför­dert wer­de und die­ses Geld „zur Abho­lung bereit“ läge. In wel­cher Höhe das Pro­jekt geför­dert wer­de, hän­ge von den Pla­nungs­un­ter­la­gen ab. Die Kri­ti­ker des Vor­ha­bens gehen von einer För­de­rung in Höhe von 50 % aus. Die ande­re Hälf­te müs­se von den kom­mu­na­len Haus­hal­ten auf­ge­bracht wer­den. Eine För­de­rung um ledig­lich der Hälf­te ange­nom­me­ner Neu­bau­kos­ten ist nach Ein­schät­zung der Befür­wor­ter aller­dings zu wenig. Zen­tral­kli­nik-Chef Claus Epp­mann ver­kün­de­te im letz­ten Jahr, das er eine För­de­rung in Höhe von 180 Mio. € erwar­te.

Unsaubere Finanzierung ?

Zen­tral­sie­rungs­kri­ti­ker Dr. Max Mat­t­hie­sen (CDU)

Das vom Minis­te­ri­um kor­rekt als „Vor­ha­ben­trä­ger Zen­tral­kli­nik“ bezeich­ne­te Unter­neh­men, ist nach Ein­schät­zung des Akti­ons­bünd­nis­ses Kli­ni­kerhalt der­zeit eher „eine Art Brief­kas­ten­fir­ma“. Die­ser wür­de kei­ne Bank einen Kre­dit gewäh­ren, wenn dafür kei­ne Sicher­hei­ten gebo­ten wer­den. Genau an die­ser Stel­le äußer­te sich erst kürz­lich der sozi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU-Land­tags­frak­ti­on Dr. Max Mat­t­hie­sen gegen­über der in Neu-Isen­burg erschei­nen­den Ärz­te­zei­tung und warf der SPD-Sozi­al­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt eine „unsau­be­re Finan­zie­rung der Kran­ken­haus-Bau­maß­nah­men“ vor. 

Die Lan­des­re­gie­rung sei per Gesetz ver­pflich­tet, Zuschüs­se für den Kran­ken­haus­bau zur Ver­fü­gung zu stel­len, nicht jedoch Kre­dit­op­tio­nen. ”Der Groß­teil – Maß­nah­men in Höhe von knapp 1,4 Mil­li­ar­den Euro – soll über das Son­der­ver­mö­gen des Lan­des finan­ziert wer­den. Also über Kre­di­te, die die Kran­ken­häu­ser selbst auf­neh­men müs­sen”, kri­ti­siert Mat­t­hie­sen. ”Die im Kran­ken­haus­ge­setz vor­ge­schrie­be­nen Zuschüs­se des Lan­des für den Kran­ken­haus­bau muss man mit der Lupe suchen.”

Privatisierungsdrohnung als profanes Mittel

Der Hin­weis auf Pri­va­ti­sie­rung kom­mu­na­ler Kran­ken­häu­ser sei ein übli­ches Mit­tel, um Mit­ar­bei­ter von Kran­ken­häu­sern „gefü­gig zu machen“ heißt es aus Krei­sen des Akti­ons­bünd­nis­ses. Dies kön­ne man mit einer Recher­che im Inter­net und Berich­ten der Lokal­zei­tun­gen nach­prü­fen. Zwi­schen­zeit­lich ver­brei­tet das Akti­ons­bünd­nis über ver­schie­de­ne Inter­net-Sei­ten und sozia­le Netz­wer­ke eben­falls eine Sprach­nach­richt, die dar­an inter­es­sier­ten frei abru­fen kön­nen.

Sprachnachricht vom Aktionsbündnis Klinikerhalt

Seit Anfang Mai wirbt der Vor­ha­ben­trä­ger ”Zen­tral­kli­nik GmbH” groß­räu­mig mit Pla­kat­wän­den für die Zen­tral­kli­nik. Wie Akti­ons­bünd­nis Kli­ni­kerhalt berich­tet, wür­den immer mehr Men­schen nach­fra­gen, wer die­se Kam­pa­gne finan­ziert. Nach bis­lang vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen, dürf­te die­se durch­aus teue­re Akti­on aus dem Etat finan­ziert wer­den, die der Auricher Kreis­tag wie auch der Emder Rat mit jeweils rund 6,5 Mio. € für Pla­nungs­kos­ten und Pro­jekt­rea­li­sie­rung geneh­migt hat.

Zusätz­lich dürf­ten Spen­den von Ärz­ten, UEK-Mit­ar­bei­tern und Mit­glie­dern der Bür­ger­initia­ti­ve für die Zen­tral­kli­nik aus Süd­brook­mer­land zur Finan­zie­rung bei­tra­gen.

Chefarzt: Kliniken in Norden und Aurich sind ”Klitschen”

Par­al­lel zur Wer­be­kam­pa­gne ”Pro Zen­tral­kli­nik” wird sei­tens eines frü­he­ren UEK-Chef­arz­tes erklärt, dass die bestehen­den Kli­ni­ken in Aurich und Nor­den ”Klit­schen” sei­en, für die es kei­ne Zukunft gäbe.

Dem­ge­gen­über ver­brei­te­te der Land­kreis Aurich noch 2015, das ”Die UEK als moder­nes und leis­tungs­star­kes Kran­ken­haus an den Stand­or­ten Aurich und Nor­den die sta­tio­nä­re Behand­lung ent­spre­chend den  neu­es­ten medi­zi­ni­schen und pfle­ge­ri­schen Erkennt­nis­sen bie­te.

Wenn die­se ”moder­nen und leis­tungs­fä­hi­gen Kran­ken­häu­ser” nach Aus­kunft des Chef­arz­tes mitt­ler­wei­le ”Klit­schen” sei­en, stel­le sich unwei­ger­lich die Fra­ge, wer dafür die Ver­ant­wor­tung tra­ge. Hier sie schließ­lich ange­kün­digt wor­den, öffent­li­ches Eigen­tum an pri­va­te Inves­to­ren ver­kau­fen zu wol­len, heißt es im Akti­ons­bünd­nis Kli­ni­kerhalt.

Laut des Geschäfts­füh­rers des Vor­ha­ben­trä­gers ”Zen­tral­kli­nik GmbH” Claus Epp­mann, müss­ten bei die­sem Ver­kauf unter Umstän­den erheb­li­che Steu­er­mit­tel auf­ge­bracht wer­den.

Dies dient dazu, poten­ti­el­len Inves­to­ren die Über­nah­me der als ”Klit­schen” bezeich­ne­ten Kran­ken­häu­ser schmack­haft zu machen.

Zentralklinik-Reklame geht an Kernfragen vorbei

Die mas­si­ve Wer­be­kam­pa­gne für den Bau einer Zen­tral­kli­nik beant­wor­te die Kern­fra­ge der meis­ten Bür­ger jedoch nicht. Zwar wer­de von der Poli­tik ver­spro­chen, dass eine ambu­lan­te Not­fall­ver­sor­gung, 24 Stun­den und sie­ben Tage in der Woche an allen drei Stand­or­ten gewähr­leis­tet wer­de. Aller­dings zei­ge sich der sonst sehr dyna­mi­sche Zen­tral­kli­nik-Chef Epp­mann bei die­sem The­ma ”äußerst redu­ziert”. Laut der vom Bera­ter­kon­zern BDO erstell­ten Mach­bar­keits­stu­die ”Zen­tral­kran­ken­haus”, ist eine vom Kran­ken­haus zu ver­ant­wor­ten­de ambu­lan­te Not­fall­ver­sor­gung nicht finan­zier­bar. Die­ses wür­de zu Mehr­kos­ten in Höhe von 3,65 Mio. € pro Jahr füh­ren. Außer­dem gäbe es kei­ne aus­rei­chen­de Anzahl von Ärz­ten. Des­halb müss­ten eine Viel­zahl von Hono­rar­ärz­ten beschäf­tigt wer­den, wodurch die die Kos­ten auf bis zu 5 Mio. € erhö­hen wür­den. Die erfor­der­li­che wohn­ort­na­he Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung, sol­len des­halb die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te über­neh­men.

 


Wei­ter­füh­ren­de Quel­len zum The­ma:

The­sen zur Öko­no­mi­sie­rung des Gesund­heits­we­sens
(Erstellt vom Kon­zern­be­triebs­rat Askle­pi­os Ver­wal­tungs GmbH)

Gesund­heits­po­li­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen – Finan­zi­el­le Steue­rung
(Her­aus­ge­ge­ben von ”Kran­ken­haus statt Fabrik”) Direkt­link zur Start­sei­te {Sehr emp­feh­lens­wert}


 

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