Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Emder Zeitung berichtet aus Bredehorst-Gutachten

Durchpflügen und ausmisten ?
Emder Zeitung: Gutachten ist ein Beleg, wie sich ein Krankenhaus selbst in die Miese treiben kann – Befürworter einer Zentralklinik verärgert über Aktionsbündnis
JWI G 2364

Wer­ten das Regio­nal­ge­spräch unter­schied­lich. Pres­se­kon­fe­renz in Aurich: v.l. Hol­ger Rohl­fing (Akti­ons­bünd­nis AUR), Staats­se­kre­tär Jörg Röh­mann, Land­rat Harm-Uwe Weber, Ober­bür­ger­meis­ter Bernd Bor­n­e­mann

Aurich/Emden (okj) – Als bewuss­te Irre­füh­rung der Men­schen in der Regi­on haben Land­rat Harm-Uwe Weber und Emdens Ober­bür­ger­meis­ter Bernd Bor­n­e­mann die von Kri­ti­kern der geplan­ten Zen­tral­kli­nik ver­brei­te­ten Ein­schät­zung des Regio­nal­ge­sprächs bezeich­net. In einer am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Pres­se­mit­tei­lung wer­fen Weber und Bor­n­e­mann dem Akti­ons­bünd­nis vor, „wider bes­se­res Wis­sen Dif­fa­mie­run­gen, Unter­stel­lun­gen und Unwahr­hei­ten“ zu ver­brei­ten. Die­se stün­den im „im kras­sen Wider­spruch zu den tat­säch­li­chen Ereig­nis­sen und allen Teil­neh­mern des Gesprächs bekann­ten Fak­ten“.

In einer Pres­se­kon­fe­renz am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag (25.6.) in Aurich hat­te das Akti­ons­bünd­nis erklärt, das bereits vor dem Regio­nal­ge­spräch das Ergeb­nis für den Bau einer Zen­tral­kli­nik und die Schlie­ßung der Kran­ken­haus­stand­or­te in Emden, Nor­den und Aurich fest­stün­den. Als „abso­lu­te Unver­schämt­heit“ und „Dif­fa­mie­rung“ bezeich­ne­ten Weber und Bor­n­e­mann Pres­se­er­klä­run­gen des Akti­ons­bünd­nis­ses, die das Regio­nal­ge­spräch im Nach­hin­ein als Face und Kas­per­le­thea­ter bewer­te­ten.

Entscheidungen über die Köpfe der Bürger hinweg

”Fakt sei“, so heißt es in der Pres­se­mit­tei­lung wei­ter, dass alle am Regio­nal­ge­spräch betei­lig­ten Fach­leu­te der Kran­ken­kas­sen, der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung, der Nie­der­säch­si­schen Kran­ken­haus­ge­sell­schaft genau so wie die Chef­ärz­te sich ein­hel­lig für die Umset­zung des Pro­jekts aus­ge­spro­chen haben. Dies, weil sie die best­mög­li­che medi­zi­ni­sche und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung der Men­schen in der Regi­on gewähr­leis­te.

Schon im Vor­feld des Regio­nal­ge­sprächs hat­te sich das Akti­ons­bünd­nis skep­tisch geäu­ßert. Über die Köp­fe der Bür­ger hin­weg, habe man hin­ter ver­schlos­se­nen Türen beschlos­sen, die Kran­ken­häu­ser zu schlie­ßen. Eine Alter­na­ti­ve dazu, sei nicht ernst­haft geprüft wor­den.

Cover Bredehorst

Spreng­stoff für Zen­tral­kli­nik-Befür­wor­ter im Land­kreis Aurich. Das Bre­de­horst-Gut­ach­ten

Nach Anga­ben der Befür­wor­ter einer Zen­tral­kli­nik, wür­den schon heu­te nahe­zu 10.000 Pati­en­ten aus dem Land­kreis Leer und der Stadt Emden in Kran­ken­häu­sern außer­halb behan­delt wer­den. Dem Akti­ons­bünd­nis sei auf dem Regio­nal­ge­spräch aller­dings nicht gestat­tet wor­den, die Ursa­chen die­ser Ent­wick­lung zu benen­nen. Staats­se­kre­tär Jörg Röh­mann habe vor­ge­ge­ben, kei­ne Dis­kus­sio­nen über die Ver­gan­gen­heit zu füh­ren oder gar Schuld­zu­wei­sun­gen zu for­mu­lie­ren.

Die am Sonn­abend in allen ost­frie­si­schen Zei­tun­gen ver­öf­fent­lich­te schar­fe Kri­tik der Befür­wor­ter einer Zen­tral­kli­nik am Akti­ons­bünd­nis, ergänz­te die Emder Zei­tung mit Zita­ten aus dem 2013 erstell­ten Bre­de­horst­gut­ach­ten. Der Kreis­tag hat­te damals beschlos­sen, den UEK-Ver­bund Aurich/Norden mit einem Bus­si­nes­plan zu sanie­ren. 2015 soll­te der größ­te Kran­ken­haus­ver­bund auf der ost­frie­si­schen Halb­in­sel eine Schwar­ze Null erzie­len kön­nen. Die­ser Ret­tungs­plan wur­de bis­lang unter Ver­schluss gehal­ten.

Emder Zeitung lässt die Katze aus dem Sack

Wie die Emder Zei­tung in ihrer Aus­ga­be am 27. Juni berich­tet, wer­de schon beim ers­ten Lesen wird klar, war­um die Poli­tik es lie­ber ganz schnell in der Schub­la­de ver­schwin­den ließ. Es doku­men­tie­re in allen Ein­zel­hei­ten, wie die Kli­nik mit ihren zwei Stand­or­ten täg­lich ihr zuste­hen­des Geld nicht ein­neh­me, Pati­en­ten durch unko­or­di­nier­te Abläu­fe ver­grau­le, wie sie zu teu­er ein­kau­fe, ver­ges­se, Behand­lun­gen zu doku­men­tie­ren, teu­re Ärz­te vor­hal­te die nur sel­ten ope­rie­re, wie sie an bei­den Stand­or­ten vie­les anbie­te­te – sich aber nir­gend­wo wirk­lich spe­zia­li­sie­re. Das Bre­de­horst-Gut­ach­ten sei ein Beleg dafür, wie sich ein Kran­ken­haus selbst in die Mie­se trei­ben kann – und dafür noch nicht ein­mal die – oft zu Recht kri­ti­sier­te – Gesund­heits­po­li­tik des Bun­des benö­tigt.

Mehr dazu lesen Sie in der gedruck­ten Aus­ga­be und im E-Paper der Emder Zei­tung vom Sonn­abend, 27. Juni (Sei­te 13)


 

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