Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Herr Weber – nehmen Sie ihren Hut

jwi_300okj-Kommentar
von Jürgen Wieckmann

An Hiobs­bot­schaf­ten aus dem UEK-Kran­ken­haus Aurich/Norden haben sich die Bür­ger des Land­krei­ses Aurich mitt­ler­wei­le gewöhnt. Jedes Jahr wer­den rund 10 Mil­lio­nen € Defi­zit ver­mel­det. Ein vom Auricher Kreis­tag beschlos­se­ner Sanie­rungs- und Ret­tungs­plan wur­de schlicht­weg nicht umge­setzt. Schuld dar­an hat natür­lich der Gut­ach­ter, des­sen Emp­feh­lun­gen als zu opti­mis­tisch ein­ge­ord­net wer­den. Eine der Emp­feh­lun­gen des mitt­ler­wei­le bekann­ten Bre­de­horst-Gut­ach­ten war, in Aurich einen Links­herz-Kathe­der-Meß­platz anzu­bie­ten. Neben etli­chen Spar­maß­nah­men, soll­ten damit zusätz­li­che Ein­nah­men erzielt wer­den.

JWI G 4971Sicher, über die­se Emp­feh­lung lässt sich treff­lich strei­ten, schließ­lich gibt es der­ar­ti­ge Ein­rich­tun­gen schon seit Jah­ren in Leer und Wes­ter­stede. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­te­te die AOK Nie­der­sach­sen die 1,8 Mil­lio­nen € auch als Fehl­in­ves­ti­ti­on. Die­se könn­ten sich, so die AOK, nur dann rech­nen, wenn Aurich den ande­ren Ein­rich­tun­gen Pati­en­ten abwirbt. Das Bre­de­horst eine sol­che Emp­feh­lung hat rein­schrei­ben müs­sen, hat­te natür­lich mit sei­ner Auf­trags­la­ge zu tun. Sei­ne Auf­ga­be war es nicht, sich Gedan­ken über eine gesamtost­frie­si­sche Kran­ken­haus­land­schaft zu machen.

Im Rück­blick offen­bart sich, dass der Gut­ach­ter vor einer fast aus­sichts­lo­sen Situa­ti­on stand. Jah­re­lan­ges Miss­ma­nage­ment lässt sich nicht mit einem Crash­kurs in zwei oder drei Jah­ren aus der Welt schaf­fen – ein Miss­ma­nage­ment, für das Land­rat Harm-Uwe Weber (SPD) die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung trägt. Schon unter sei­nem Vor­gän­ger, dem Land­rat Wal­ter Theu­er­kauf, war Weber Kran­ken­haus-Dezer­nent. Wenig Chan­cen, sich auf Ver­säum­nis­se irgend­ei­nes Vor­gän­gers beru­fen zu kön­nen.

Was Weber anfasst, ist zum Scheitern verurteilt

Die Kran­ken­haus­po­li­tik des Auricher Land­rats steht schon seit Jah­ren in der Kri­tik. Auf einer Ver­di-Ver­samm­lung im Novem­ber 2014 platz­te den Gewerk­schaf­tern mit Blick auf Webers Pla­nun­gen zur mission failedZen­tral­kli­nik schon mal der Kra­gen. Wil­hel­mi­ne Illig, ehe­ma­li­ge Per­so­nal­rä­tin der UEK, sag­te: „Weber und der UEK-Geschäfts­füh­rer Jann-Wolf­gang de Vries haben nie Pro­ble­me gelöst. Sie haben nur das Geld ver­schleu­dert.“

Spä­ter setz­te Illig noch eins drauf: „Was Herr Weber anfasst, ist zum Schei­tern ver­ur­teilt.“ Eben­falls anwe­send: Gewerk­schafts­se­kre­tär And­re Hin­richs. Er gehört dem Auf­sichts­rat des Kli­ni­kums Leer an und wur­de eben­falls deut­lich. In Leer wer­de über Weber und de Vries geläs­tert, erklär­te Hin­richs: „Sie schaf­fen es nicht mal, ein klei­nes Kran­ken­haus zu füh­ren. Jetzt glau­ben sie, ein gro­ßes füh­ren zu kön­nen.“ Für den Neu­an­fang müs­se eine neue Chef­eta­ge her. (Zitiert nach: http://www.oz-online.de/-news/artikel/136505/Gewerkschafter-greifen-Landrat-verbal-an)

Inzwi­schen hat UEK-Geschäfts­füh­rer de Vries gut dotiert sei­nen Hut genom­men, jeden­falls in die­ser Funk­ti­on. Dar­über soll­te jetzt auch Land­rat Harm-Uwe Weber nach­den­ken, denn, so titel­ten die in Aurich erschei­nen­den Ost­frie­si­schen Nach­rich­ten (04.03), nun ver­lässt sogar ein kom­plet­tes Ärz­te­team die Auricher Kli­nik und es sind aus­rech­net jene, die als lei­ten­de Ärz­te mit dem Links-Herz­ka­the­der-Meß­platz der Kar­dio­lo­gie mit­hel­fen soll­ten, die Defi­zi­te der UEK zu redu­zie­ren. Dar­an trägt Weber erheb­li­che Mit­schuld.

Nur eine Informationspanne?

In eben die­sen Ost­frie­si­schen-Nach­rich­ten hat­te der Land­rat am 9. Janu­ar unbe­wie­se­ne Gerüch­te mit ver­brei­tet, nach denen den Ärz­ten vor­ge­wor­fen wur­de, „gefähr­li­che Medi­zin“ zu betrei­ben, durch die rei­hen­wei­se Leu­te gestor­ben sei­en. Dabei räum­te Weber sogar ein, dass es auch auf Nach­fra­ge nie kon­kre­ten Daten und Fak­ten gege­ben habe.

panneOKJ kom­men­tier­te damals: Mitt­ler­wei­le weiß jeder Face­book-Benut­zer, was einem wider­fah­ren kann, wenn man sich zu übler Nach­re­de hin­rei­ßen lässt. Der Land­rat, selbst Jurist, soll­te in sei­nem Stu­di­um gelernt haben, dass selbst bei einem star­ken Anfangs­ver­dacht, gene­rell die Unschulds­ver­mu­tung zu gel­ten hat. Wenn, wie behaup­tet „rei­hen­wei­se Leu­te gestor­ben“ sei­en, so ist das wohl eher ein Fall für die Staats­an­walt­schaft, die im Rah­men eines Ermitt­lungs­ver­fah­rens den auf­ge­stell­ten Behaup­tun­gen nach­zu­ge­hen hat. Dabei sind Staats­an­walt­schaf­ten ange­hal­ten, auch ent­las­tend zu ermit­teln.

Sich als obers­ter Dienst­herr und Land­rat auf den media­len Markt­platz zu stel­len und sich in die­ser Funk­ti­on als Wei­ter­ver­brei­ter böser Gerüch­te zu betei­li­gen, sie damit sogar zu ver­schär­fen, kann man sehr wohl als einen Skan­dal wer­ten, einer, der nicht mehr als „Infor­ma­ti­ons­pan­ne“ durch­ge­hen kann. „Wir haben schon einen tol­len Land­rat“, war aus Krei­sen der Abge­ord­ne­ten im Kreis­tag zu ver­neh­men: „Der macht mit einer sol­chen unbe­dach­ten Äuße­run­gen alles zunich­te, was vor­her mühe­voll auf­ge­baut wur­de“. Stellt sich aktu­ell die Fra­ge, ob sich die­se Erkennt­nis ins­ge­samt bei Abge­ord­ne­ten des Auricher Kreis­ta­ges noch ein­stel­len wird.

Es darf spekuliert werden

Das SPD-Abge­ord­ne­te zu ihrem Spit­zen­mann ste­hen – ste­hen müs­sen – kann man Anbe­tracht der bevor­ste­hen­den Kom­mu­nal­wahl viel­leicht ver­ste­hen. Die mitt­ler­wei­le zum Weber-Fan­club mutier­te CDU wird sich aller­dings zu fra­gen haben, war­um sie noch immer an einem SPD-Mann klebt, den selbst etli­che Genos­sen hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand nur mit zusam­men­ge­bis­se­nen Zäh­nen ertra­gen. Poli­tisch ist die­se Inter­es­sen­la­ge schwer zu ver­ste­hen.

funktionFür Weber wird es jeden­falls Zeit zu gehen. Wer immer auch die Nach­fol­ge anzu­tre­ten hat – ein benei­dens­wer­ter Job ist es wahr­lich nicht. Man­cher sieht bereits den Ers­ten Kreis­rat Dr. Frank Puchert als Webers natür­li­chen Nach­fol­ger – obwohl vie­le ahnen, sich dann auf eine Gang­art ein­stel­len zu müs­sen, für die es nicht vie­le „gefällt mir“ But­tons geben könn­te. Was sich in den nächs­ten Tagen und Wochen in der Land­kreis­po­li­tik abspie­len wird, bleibt abzu­war­ten. Die Kern­fra­ge lau­tet jedoch: Was bit­te soll noch alles schief gehen und wie vie­le Mil­lio­nen darf es kos­ten?

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