Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Aktionsbündnis trifft Infomobil

jwi_300okj-Kommentar
von Jürgen Wieckmann

Das Akti­ons­bünd­nis hat­te am 18. Juni in Pew­sum Glück gehabt. Der am Info­mo­bil der Befür­wor­ter der Zen­tral­kli­nik Georgs­heil ”dienst­ha­ben­de Arzt” war Dr. Chris­toph Schöt­tes. Auf ihn geht das medi­zi­ni­sches Kon­zept der Zen­tral­kli­nik zurück. Ein Kran­ken­haus-Arzt alter Schu­le und das mit Leib und See­le. Mit ihm kann man wirk­lich sach­lich und seri­ös spre­chen. Der Mann weiß, wor­über er spricht.

Die Frage bleibt: Warum konnte es Leer?
JWI G 1949

Auch bei Kri­ti­kern geschätz­ter Gesprächs­par­ter: Dr. Chris­toph Schöt­tes, rechts im Bild

Ande­re bevor­zu­gen es jedoch Kri­ti­ker mund­tot zu machen oder auch mal Dreh­ver­bo­te zu ertei­len. Das ist ein ande­rer Stil. Der kommt aus jenen Krei­sen, die man bes­ser nicht dar­auf anspricht, war­um etwa der Land­kreis Leer in sein Kli­ni­kum 10 Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren kann – dabei auch noch schwar­ze Zah­len notiert – wäh­rend wir im Land­kreis Aurich eine sol­che Sum­me fast jedes Jahr als Defi­zit ver­bu­chen müs­sen.

Wir haben hier ein sehr ernst­haf­tes Pro­blem mit den Füh­rungs­kräf­ten in Poli­tik und Geschäfts­füh­rung – ein Manage­ment­pro­blem gewal­ti­gen Aus­ma­ßes. Das gilt jeden­falls für den UEK-Ver­bund Aurich/Norden. Selbst wenn man Befür­wor­ter eines medi­zi­ni­schen Kon­zep­tes nach Dr. Schöt­tes sein könn­te – die­sem Per­so­nal soll­te man das unter kei­nen Umstän­den anver­trau­en.

Nachfrage bei ”medizinischem Kleinkram” ?

JWI G 1957Unab­hän­gig davon, hat auch Dr. Schöt­tes kei­ne Idee, wie die wohn­ort­na­he Grund- und Regel­ver­sor­gung künf­tig bewerk­stel­ligt wer­den kann. Also der ”medi­zi­ni­sche Klein­kram”, für den nicht gleich ein poten­ti­el­ler Nobel­preis­trä­ger der Neu­ro­chir­ur­gie in den Ein­satz muss.

Die gan­ze Fokus­sie­rung auf die Spe­zia­lis­ten in allen Ehren – aber fragt mal in einem Kran­ken­haus, was das ”täg­lich Brot” dort ist. Das sind eben nicht die Extrem­fäl­le, son­dern die Schnitt­ver­let­zun­gen, die Kno­chen­brü­che, die Wund­ver­sor­gung und öfter auch mal Pati­en­ten, die kein Kran­ken­haus­bett, son­dern eher mal eine Aus­nüch­te­rungs­zel­le brau­chen.

Die Kran­ken­häu­ser wer­den sich neu­en Auf­ga­ben zu stel­len haben – sie wer­den (ob sie wol­len oder nicht) den ambu­lan­ten Sek­tor mit über­neh­men müs­sen. Der­zeit sind die Not­auf­nah­men der Kran­ken­häu­ser kom­plett über­lau­fen – oft mit Pati­en­ten, die aus rein medi­zi­ni­scher Sicht kei­ne Not­fäl­le sind.

”Bauch­ge­fühlt” sind das 80 Pro­zent der Fäl­le. Die­se Men­schen sind aus ganz ande­ren Grün­den ”Not­fäl­le”. Es sind Baga­tell­fäl­le die nicht so gut abge­rech­net wer­den kön­nen wie ein ordent­li­cher Herz­in­farkt oder ein schi­cker Schlag­an­fall. Oder anders gesagt: auch die Ost­frie­sin­nen sind beim Kin­der­krie­gen öko­no­misch schlicht untaug­lich. Ohne ordent­li­che Kom­pli­ka­tio­nen macht ein Kran­ken­haus pro Geburt rich­tig Ver­lust.

Das ist sehr schlecht für die Bilanz

Dar­an wird auch der von eini­gen Kri­ti­ker der Zen­tral­kli­nik sehr geschätz­te Dr. Schöt­tes nichts ändern kön­nen. Aber viel­leicht kann das Akti­ons­bünd­nis mit dazu bei­tra­gen, ggf. auch gemein­sam mit den Ärz­ten die­ses wirk­lich absur­de Gesund­heits­sys­tem an den Pran­ger zu stel­len.

JWI G 1952Das medi­zi­ni­sche Kon­zept eines Dr. Schöt­tes, kön­nen Sie von mir aus in Nor­den, Aurich, Emden oder viel­leicht gleich in Leer rea­li­sie­ren. Dar­an ist nichts zu bekrit­teln.

Wir müs­sen aber dafür sor­gen, dass die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung der Men­schen – das sind dann eben nicht nur Baga­tell­fäl­le, son­dern auch chro­nisch Kran­ke oder mul­ti­ble Krank­heits­bil­der – also, all das, was nicht ”genug Koh­le macht” – gera­de und ganz beson­ders in länd­li­chen Regio­nen nicht unter die Räder kommt.

Der­zeit lau­tet die Ansa­ge aber: eine Zen­tral­kli­nik mit dem medi­zi­ni­schen Kon­zept von Dr. Schöt­tes kriegt ihr nur, wenn ihr alles ande­re dicht macht.

Das kann es aber nicht sein und dies wird das zen­tra­le The­ma des Akti­ons­bünd­nis­ses auf dem bevor­ste­hen­den Regio­nal­ge­spräch am 23. Juni im Auricher Hotel am Schloss sein.


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