Ostfriesisches Klinik Journal

Für den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser

Erzwingt Mißmanagement die Zentralklinik ?

Aurich (ok/on/okj) – Die Ver­wal­tung des Land­krei­ses Aurich hat die vom „Akti­ons­bünd­nis Kli­ni­kerhalt“ ange­for­der­ten Unter­la­gen über die Kos­ten einer neu­en Zen­tral­kli­nik in Georgs­heil zusam­men­ge­stellt. Wie der in Nor­den erschei­nen­de „Ost­frie­si­scher Kurier“ in sei­ner heu­ti­gen Aus­ga­be berich­tet (7.11.), lie­gen die Unter­la­gen dem Land­rat Harm-Uwe Weber (SPD) zur Unter­schrift vor. Die Kreis­tags­frak­ti­on der Grü­nen hat­te Weber in einem offe­nen Brief auf­ge­for­dert, die Infor­ma­tio­nen unver­züg­lich zur Ver­fü­gung zu stel­len. Die Doku­men­te wer­den benö­tigt, um einen Bür­ger­ent­scheid für den Erhalt der Kli­nik­stand­or­te in Nor­den und Aurich auf den Weg brin­gen zu kön­nen. Der aller­dings muss mit einem Gegen­vor­schlag zur Zen­tral­kli­nik begrün­det wer­den, der zudem einen Kos­ten­de­ckungs­vor­schlag zu unter­brei­ten hat.

Herzkatheder

Blick in ein moder­nes Herz­ka­the­ter­la­bor (Foto: wiki­pe­dia)

Nach Ein­schät­zung des Akti­ons­bünd­nis­ses haben die enor­men Defi­zi­te des UEK-Ver­bun­des Aurich/Norden vor allem haus­ge­mach­te Ursa­chen. Bereits im Mai des Jah­res hat­te die AOK Nie­der­sach­sen eine Inves­ti­ti­on von 1,8 Mio Euro für das Links­herz­ka­the­ter-Labor am Stand­ort Aurich als über­flüs­sig bezeich­net.

Wie AOK-Spre­cher Oli­ver Gie­bel auf Anfra­ge den Ost­frie­si­schen Nach­rich­ten erklär­te, sei­en die Pati­en­ten im Kreis Aurich bereits durch die Labors in Leer, Wes­ter­stede und Olden­burg ver­sorgt. Aurich wer­de sich nur dann rech­nen, wenn Pati­en­ten von ande­ren Kli­ni­ken abge­wor­ben wür­den.

Durch eine Über­ver­sor­gung ent­ste­he bei allen betrof­fe­nen Kran­ken­häu­sern die Ten­denz, Pati­en­ten aus wirt­schaft­li­chen Grün­den unnö­tig zu unter­su­chen.

Herzkatheter-Labore: Jede 6. Behandlung geht schief
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Herz­ka­the­ter-Unter­su­chung. (Foto: Aka­de­mi­sches Lehr­kran­ken­haus Uni­ver­si­tät Duis­burg-Essen)

Herz­ka­the­ter-Behand­lun­gen sind für Kran­ken­häu­ser wirt­schaft­lich beson­ders lukra­tiv und gehö­ren in Deutsch­land zu den häu­figs­ten Ein­grif­fen. Ob eine Behand­lung glückt, hängt jedoch im hohem Maße davon ab, in wel­che Kli­nik der Pati­ent kommt. Zu die­sem Ergeb­nis kam eine Erhe­bung des Wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts der AOK (WiDo) aus dem Jah­re 2013.

Das Ergeb­nis der AOK-Erhe­bung dürf­te vie­le Pati­en­ten erschre­cken. In den bes­ten Kran­ken­häu­sern lag die Kom­pli­ka­ti­ons­ra­te nach der Herz­ka­the­ter-Behand­lung bei unter acht Pro­zent, in den schlech­tes­ten Häu­sern dage­gen bei 28 Pro­zent und höher. Im Gesamt­durch­schnitt ermit­tel­te das Insti­tut eine Rate der Kom­pli­ka­ti­on und  „qua­li­täts­re­le­van­ten Fol­ge­ein­grif­fen“ von 17,7 Pro­zent. Die Sterb­lich­keits­ra­te läge im Schnitt bei 0,7 Pro­zent – jeder sechs­te Herz­ka­the­ter Ein­griff miss­lingt.

Die Inves­ti­ti­on in das Auricher Herz­ka­the­ter-Labor geht auf Emp­feh­lun­gen des soge­nann­ten „Bre­de­horst-Gut­ach­tens“ zurück. In die­sem wur­de dar­ge­legt, wie der UEK-Ver­bund Aurich/Norden die enor­men Defi­zi­te von rund 10 Mio. Euro jähr­lich abbau­en und in Per­spek­ti­ve sogar Erlö­se erzie­len könn­te. Dabei soll­ten bei­de Stand­or­te erhal­ten wer­den. Rund zwei Mil­lio­nen Euro hat­te sich der Land­kreis die Arbeit des Sanie­rers kos­ten las­sen.

Top-Down-Strategie: Zentralklinik gegen den Willen der Bürger

JWI G 1029Riva­li­tä­ten in der Ärz­te­schaft aber auch die kreis­in­ter­ne Kon­kur­renz­si­tua­ti­on hat die Rea­li­sie­rung die­ses Vor­ha­bens jedoch schei­tern las­sen. Wer kon­kret und an wel­cher Stel­le den Sanie­rungs­plan boyott­tiert hat, wird aller­dings nicht offen­bart. In Tei­len des Akti­ons­bünd­nis­ses wird des­halb ver­mu­tet, das der Erhalt wohn­ort­na­her Kran­ken­häu­ser nicht im Inter­es­se der Poli­tik ist. Vor allem die Lan­des­re­gie­rung set­ze auf die Zen­tral­kli­nik.

Mit den unge­wöhn­lich hohen Defi­zi­te wür­den der­zeit die Auricher Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ten regel­recht erpresst, so dass sie letzt­lich gegen den Wil­len der Bür­ger einer Zen­tral­kli­nik zustim­men. Kein Poli­ti­ker kön­ne die Defi­zi­te – die mit Steu­er­gel­dern auf­ge­fan­gen wer­den müs­sen – noch ver­tre­ten.

Aller­dings scheue man sich in der hie­si­gen Kom­mu­nal­po­li­tik, die für die­se Defi­zi­te Ver­ant­wort­li­chen zur Rechen­schaft zu zie­hen. Wäre das Bre­de­horst-Gut­ach­ten auch nur zum Teil umge­setzt wor­den, wür­de heu­te wohl nie­mand über eine Zen­tral­kli­nik auf der Grü­nen Wie­se dis­ku­tie­ren, heißt es im Akti­ons­bünd­nis.


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